18ème Carrefour Européen du Patchwork : du 13 au 16 septembre 2012
Wer sind die Amischen ?

Wer sind die Amischen ?

Karen M. Johnson-Weiner
Fachbereich Anthropologie
SUNY Potsdam
Postdam, New York 13676

Wenn wir die Amischen betrachten, kommen sie uns vor wie in einer Zeitschleife gefangen – Relikte einer vergangenen Epoche.
Doch das sind sie nicht.
Wie ihre Vorfahren, die ersten Wiedertäufer, die sowohl die katholische Kirche als auch die protestantische Staatskirche ablehnten, versuchen die heutigen Altamischen (engl. „Old Order Amish“) bewusst, eine Gesellschaft zu erschaffen, in der gemäß biblischen Vorschriften jedes Kirchenmitglied „dieser Welt nicht angeglichen“ ist (Römer 12, 2).
Die ersten Wiedertäufer wurden heftig verfolgt und entwickelten dadurch ein starkes Gefühl von Gruppensolidarität. Die Literatur der Wiedertäufer aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist voll von Geschichten über staatlich sanktionierte Folterungen ; sie sollten die Gläubigen ermutigen, Verfolgungen standhaft zu begegnen. Für die frühen Wiedertäufer und ihre Nachkommen waren Nonkonformismus und Gewaltlosigkeit (das Prinzip, dass man nicht einmal zur eigenen Verteidigung oder zum der Familie zu Gegengewalt griff), ein Glaubensbeweis. Von der weltlichen Macht dazu gezwungen, Heim, Familie und Besitz zu verlassen, fanden die frühen Wiedertäufer in der Staatenlosigkeit die starke Bindung an die höhere Macht, die auch heute noch ihre Abkömmlinge charakterisiert. Diese Verfolgungen erzeugten in den Wiedertäufern eine (auch heute noch vorherrschende) Überzeugung, dass Verfolgungen stets zu erwarten sind – sie sind das Los der Christen in einer gottlosen Welt.
Die Altamischen glauben auch weiterhin, dass das Volk Gottes eine fromme Minderheit sein muss, „Fremdlinge und Pilger“ (Peter 2,11) - in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. Sie legen das Gebot, sich von der Welt getrennt zu halten, ganz wörtlich aus und errichten zwischen sich und der Außenwelt strenge Barrieren, indem sie sich weigern, sich der „englischen“ Gesellschaft anzupassen. Separat und selbstbestimmt, getrennt nicht nur von den „Engländern“ oder Nicht-Amischen, sondern auch von anderen Amisch-Gruppen, ist jede einzelne Gruppen eine „rettende“ Gemeinschaft aus Mitgliedern, denen die praktische Umsetzung von Jesu‘ Lehren oberstes Gebot ist.
Das hochdeutsche Kirche bezieht sich wie das englische Pendant church auf das Gebäude, in dem Gottesdienste stattfinden aber auch auf diese selbst. Die Amischen oder Pennsylvania Dutch dagegen verwenden für Kirche das Wort Gmay, abgeleitet vom hochdeutschen Gemeinde. Die Amisch-Kirche ist, in anderen Worten, nicht ein Gebäude oder ein Gottesdienst, sondern die tägliche und heilige Interaktion derjenigen, die zu einer Gmay gehören. Jede Amisch-Kirchengemeinde ist eine eigene Einheit und unterscheidet sich von den anderen Gruppen ihres Glaubens, auch wenn sie gemeinsame Prediger haben und die jungen Leute sich untereinander treffen. Jede bleibt jedoch eine separate Gmay, und Entscheidungen, die die eine trifft, sind für die anderen nicht bindend – und könnte andere dazu veranlassen, aus ihrer „fellowship“ (eine Art Gemeinde-Verbund) auszubrechen. Man tritt durch die Taufe einer Gmay bei und gelobt bei der Taufe, bis zum Tod die Ordnung zu befolgen. Die Ordnung umfasst die Glaubenssätze der Kirchengemeinde und beherrscht somit praktisch jeden Bereich des Amisch-Lebens. Sie ist jedoch mehr als eine Ansammlung von Regeln ; sie bindet das Individuum an die Gmay und schützt die Gmay vor der Außenwelt.
Der Amisch-Historiker Joseph Beiler erklärt bei seiner Beschreibung der Ordnung, sie schaffe „ ein Bedürfnis nach Zusammensein und Gemeinschaft ... nach gemeinsamem Leben, gemeinsamer Arbeit, gemeinsamem Gottesdienst und einer gemeinsamen Abkehr von der Welt.“ Für die Amischen ist Gehorsam gegenüber der Ordnung – und zwar der Gesamtheit der Ordnung – gleichbedeutend mit Liebe zur Kirche und Gmay und die Treue zum eigenen Gelübde gegenüber Gott. Es gibt keine halbe Gefolgschaft, man ist entweder in der Kirche oder steht außerhalb von ihr.
Die Ordnung schützt die Kirchengemeinde und bestimmt damit auch die tägliche Realität des Lebens. Für die Altamischen ist Religion gleichbedeutend mit Glaubenspraxis. Glauben ist demnach Handeln. Und da Gottes Wahrheit per definitionem unwandelbar ist, sind Zeiten der Andacht, wiederholtes Tun und stabile Beziehungen der Kern ihrer Existenz. Anders ausgedrückt : Wenn etwas auf eine bestimmte Art getan wurde, so ist dies Rechtfertigung genug, es auch weiterhin so zu tun. Alte Ordnung bedeutet, die Alte Ordnung der Kirchengemeinde muss aufrecht erhalten werden. Die Ordnung definiert die soziale Rangordnung, die Handlungen und Beziehungen, die Gott nach Überzeugung der Amischen für die Menschen gewollt hat.
Die Amischen glauben, dass Individuen schwach sind und, wenn man sie sich selbst überlässt, von fleischlichen Begierden geleitet werden und ein weltliches Leben führen. Nur in Gemeinschaft mit anderen und von der Ordnung geleitet können Menschen ihr Leben in den Dienst Gottes zu stellen. Nur in Gemeinschaft mit anderen und von der Ordnung geleitet kann das Individuum die Kraft aufbringen, ein Gott gefälliges Leben zu führen. Ein solcher Glaube erfordert notwendigerweise die Unterordnung individueller Wünsche unter den Gruppenwillen. Darum geht es in der Taufe – und im Beitritt zur Gmay – in erster Linie.
Durch das Taufgelübde vor der Kirchengemeinde unterwirft man sich der Ordnung. Die Taufe ist ein Gehorsamsversprechen, durch das die eigenen individuellen Wünsche der Gemeinde und der unveränderlichen Wahrheit, wie sie in der Heiligen Schrift offenbart und von der Ordnung interpretiert wird, untergeordnet werden. Wie man sich kleidet, wie man sein Haus und seine Scheune baut, welches Fahrzeug man benutzt und welche Kontakte man zur Außenwelt unterhält zeigt an, wodurch die Gemeinschaft ihren Zusammenhalt findet ; alle diese Elemente sind der Ordnung unterworfen. Sichtbare äußere Unterschiede in der Kleidung und im Transportwesen, eine andere Sprache, eigene Schulen und festgelegte Riten in Haus und Kirche dienen dazu, die Amischen daran zu erinnern, dass sie Pilger sind und, wie es der Apostel Paulus ausdrückt, dieser Welt nicht angeglichen sein dürfen (Römer 12,2).
Wir sehen die Amischen als unverändert seit ihren Anfängen, doch in Wirklichkeit verändern sie sich sehr wohl. Ihre Gemeinden haben sich weiterentwickelt. Die Ordnungen spiegeln die Kräfte, die auf die verschiedenen Kirchengemeinden eingewirkt haben. Keine zwei Amisch-Gemeinden haben genau dieselbe Ordnung, denn keine zwei Gemeinden leben unter exakt denselben Umständen. Manche erlauben Wasserleitungen in den Häusern und Blumengärten, andere nicht. Manche erlauben mit Kerosin betriebene Kühlschränke und Tiefkühltruhen, Telefone in Geschäften, Rollschuhlaufen und Fahrräder – andere nicht. Die Byler-Amischen fahren in braunen Pferdekutschen, die Troyer-Amischen haben schwarze und die Lancaster County Amischen graue.

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Die Ordnung verbindet die Gmay, sorgt für Solidarität und macht die Gmay zu der beherrschenden Kraft im Leben der Amischen. Wer nicht sicher ist, ob er sich der Ordnung unterwerfen kann, erhält den Rat, die Taufe noch zu verschieben. Nach der Taufe gegen die Ordnung zu verstoßen wird als ein Verstoß gegen Gottes Gebot gesehen und die anderen Gemeindemitglieder haben keine andere Wahl, als das betreffende Mitglied zu meiden. Alles andere würde bedeuten, dass sie selbst ihr Gelübde brechen.
Die Gmay und die Ordnung gestatten es Amisch-Familien, in einer Art „Gesellschaft in der Gesellschaft“ zu leben, zwar umgeben von Nicht-Amischen (und in täglichem Kontakt mit ihnen), aber gleichzeitig getrennt von ihnen. Sogar die Zeit vergeht anders. Die meisten ultrakonservativen Swartzentruber-Amischen zum Beispiel richten sich nach einer „langsamen Zeit“. Das heißt, sie stellen ihre Uhren im Sommer gar nicht, oder allenfalls eine halbe Stunde, vor.
Die Ordnung bestimmt auch, wie das Wohnhaus aussieht und wie es möbliert ist. Die Häuser der Swartzentruber-Amischen zum Beispiel folgen einem einheitlichen Muster. Manche Amisch-Gruppen erlauben Linoleumböden, gasbetriebene Kühlschränke und Rohrleitungen. Andere tun dies nicht.
Die Ordnung regelt Sprache und Kleidung und stärkt zudem die Gemeinschaft, indem sie die Grenzlinien zu denjenigen deutlich macht, die dazugehören oder eben nicht. Für die Altamischen ist das Überleben ihrer Sprache, des Pennsylvania-Deutsch oder Deitsch, üblicherweise Pennsylvania Dutch genannt, mit ihrem Überleben als separate und eigenständige Gemeinschaft untrennbar verknüpft. Wenn sie in der Gemeinde diese Sprache benützen, erinnert sie das an die Unterschiede zwischen ihrer Gemeinschaft und der Außenwelt, wodurch die Amischen von der herrschenden Kultur nicht nur isoliert, sondern auch geschützt werden.

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Kleine Kinder lernen häufig erst in der Schule Englisch, was in ihnen die Vorstellung stärkt, dass Englisch die Sprache der Außenwelt ist. Nur in den Schulen verwenden die Amischen das Englische als einziges Mittel der mündlichen Verständigung mit anderen Amischen. In vielen Schulen hören Kinder und Lehrer auf, Englisch zu sprechen, wenn kein Unterricht stattfindet, selbst wenn es sich nur eine kurze Pause handelt.
Ordnungen prägen auch die Schulen, in denen die Kinder Englisch lernen, wobei jede Schule die Werte der betreffenden Kirchengemeinde reflektiert und verstärkt.

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Auch die Kleidung spiegelt die Zugehörigkeit zu der Gemeinde ; dieser Aspekt geht auf die Anfänge der Wiedertäuferbewegung zurück. Jacob Ammann, ein Prediger aus Ste. Marie-aux-Mines, der 1693 die Abspaltung der Amischen von der größeren Konfession der Mennoniten anführte, war der Ansicht, die Nichtanpassung an die Welt erstrecke sich nicht nur auf das Denken und den Glauben, sondern auch auf die Kleidung. Die abgespalteten Amischen wurden auch Häftler (nach Haftel für Haken und Öse)genannt, im Gegensatz zu den mennonitischen Knöpflern. Heutzutage kennzeichnet schlichte Kleidung die Amisch-Gemeinden und gibt ihr ein Gefühl von Zugehörigkeit. Für sie ist diese Art von Kleidung nicht christlich, sondern Amisch – nicht für ihr Seelenheil von Bedeutung, sondern ein Zeichen, dass ihre Träger Gottes Gebot halten, sich nicht der weltlichen Mode anzupassen. Wenn sich ein Amischer also morgens anzieht, folgt er der Ordnung. Wenn sich eine Frau ihr Haar nicht schneidet und es unter ihrer Kappe versteckt, folgt sie dem Rat des Paulus an die Korinther (11, 1-14). Ein Amisch-Mann, der seine Haare gemäß der Ordnung schneidet und sich den Schnurrbart rasiert, signalisiert damit seine Zugehörigkeit zur Gemeinde. Ob die Hemden der Jungen Kragen haben, ob die Kappen der Frauen dieselbe Farbe haben wie ihre Kleider, ob sie gefältelt oder glatt sind – all das sind äußere Zeichen für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinde.
Die Ordnung der Kirchengemeinde reguliert praktisch alle Aspekte des Alltagslebens. Auch wenn die Gemeindemitglieder zugeben, dass nicht alle Elemente der Ordnung sich von der Heiligen Schrift ableiten lassen, wird doch das, was nicht auf der Schrift beruht, durch das Gefühl gerechtfertigt, dass eine andere Handlungsweise weltlich und für die Gemeinschaft schädigend wäre. So verbieten beispielsweise alle Altamisch-Gruppen den Besitz von Kraftfahrzeugen und bestimmen, wann ihre Mitglieder Fahrdienste in Anspruch nehmen dürfen. Die Amischen wissen, dass schnelle, leicht zugängliche Transportmittel den Mitgliedern erlauben würden, sich häufiger von zu Hause zu entfernen, und dass die Kirchengemeinde sich zerstreuen würde. Zudem ziehen Automobile die Menschen in die Städte, und die Amischen wissen, dass das für Christen keine guten Aufenthaltsorte sind. Schließlich, so argumentieren sie, bestand Lots Vergehen darin, dass er die Stadt Sodom betrat.
Andere technische Errungenschaften werden ähnlich bewertet. Dass eine Maschine oder ein Haushaltsgerät seinem Besitzer Zeit spart, ist nicht unbedingt eine Empfehlung, und dass es „modern“ ist, spricht nicht unbedingt gegen die Technik. Alle Amischen benutzten Maschinen, und wenn sie außerhalb der Gemeinde arbeiten, benutzen sie auch Maschinen, die von der Ordnung verboten werden. Die meisten Amisch-Gemeinden verwenden einige elektrische Geräte, vor allem mit Batterien betriebene, aber alle sind sich einig, dass der Zugang zu Starkstromleitungen „zu vielen Versuchungen und dem Verfall von Gemeinde und Familienleben führen könnte“.2
Das von der Ordnung geprägte Alltagsleben ist an die Bibel gebunden. Am Morgen, wenn die Familie aufsteht, liest der Vater aus der Schrift, ebenso am Abend, bevor alle zu Bett gehen. Jede Mahlzeit beginnt und endet mit einem stillen Gebet. An jedem Tag bestärkt die Praxis die Lehren der Bibel. Der Vater sitzt am Kopfende des Tisches, die Kinder an den Seiten, die Jungen auf der einen, die Mädchen auf der anderen Seite. Jedes Kind kennt seinen Platz in der Familie und somit auch in der Gemeinschaft.
Kirche als Gemeinschaft und Kirche als Ritus vereinen sich im Sonntagsgottesdienst. Wie die ersten Wiedertäufer versammeln sich die Altamischen in Privathäusern, weitab von weltlichen Einmischungen und Bedrohungen. Die Familien wechseln sich ab. Sobald angekündigt wird, welche Familie das nächste Mal den Hausgottesdienst ausrichtet, kann sie Hilfe erwarten. Die Ehefrau kann sich darauf verlassen, dass Mutter, Schwestern, Nichten und verheiratete Töchter kommen und ihr helfen ; auch so wird die Verbundenheit innerhalb der Gemeinschaft gestärkt.
Am Sonntag ist das Alltägliche heilig. Das Haus ist blitzblank, wenn alle zum Gottesdienst eintreffen – jeder Topf geschrubbt, die Schränke neu mit Papier ausgelegt. Berge von Essen stehen bereit. Die älteren Kinder haben Unmengen von Popcorn für die jungen Leute vorbereitet, die zum „Singen“ am Abend bleiben.
Die Gastfamilie sorgt sich nicht darum, was die Leute von ihnen „denken“, und sie hat auch kein Interesse daran, sich besonders hervorzutun. Sie hat ihr Heim hergerichtet, um Freunde und Verwandte willkommen zu heißen und gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Die harte Arbeit wird freudig in Kauf genommen, in Hingabe an die Ordnung und die Gmay. Dass andere Menschen zu ihnen gekommen sind, ist ein Zeichen dafür, dass die Gemeinschaft intakt ist.
Wenn ein Amischkind geboren wird, wird es in die Gemeinde hinein geboren und als zukünftiges Mitglied behandelt. Die Eltern sind verpflichtet, es zu einem aktiven Gemeindemitglied zu erziehen. Letztlich hoffen Eltern, dass das Kind später einmal sein Bestes tun, auf Gott vertrauen und ohne Widerspruch oder Fragen akzeptieren wird, was immer die Zukunft bringen mag. Sie wollen, dass ihre Kinder nachgeben, wie die Amischen es ausdrücken. Sich Gottes Willen zu unterwerfen, wie er in der Bibel steht, bedeutet für die Amischen, Gelassenheit zu erlangen ; dies ist ein Begriff, der nach Sandra Cronk, Nachgiebigkeit und Machtlosigkeit beinhaltet.3 Die Amischen glauben nicht, dass sie gerettet werden – ob sie es werden, kann nur Gott wissen. Sie hoffen statt dessen, Gelassenheit zu erlangen. Das höchste Ziel der Amischen ist es, ein so vollkommenes Vertrauen zu Gott zu entwickeln, dass sie nichts, was geschieht, in Frage stellen. Wenn man sich Gott so vollständig ausliefert, lebt man vielleicht auf eine Weise, die zur Erlösung führt.
Merkmale der Amischen sind demnach u.a. Passivität, kinderreiche Familien, eine Abneigung gegen neue medizinische Behandlungen, die Annahme, dass alles, was geschieht, Gottes Wille ist, und dass „auch diese Prüfung vorübergeht“. Gelassenheit begünstigt eine Lebensweise, in der man wenige Fragen stellt. Man lernt am Beispiel, Kinder kopieren die Älteren, denn Worten darf man nicht trauen, weil sie so leicht missbraucht werden können. Amisch-Eltern lehren ihre Kinder durch ihr Vorbild, und so gibt es keine scharfe Trennung von Spiel und Arbeit. Statt ihren Töchtern zu erklären, wie man einen Kuchen bäckt, geben sie ihnen den Teig, und die Mädchen kopieren die mütterlichen Handgriffe – eine Dreijährige, indem sie den Teigklumpen flach klopft, eine Dreizehnjährige, indem sie den Rand mit einem Muster verziert. Wenn die Mädchen die Schule abschließen (8. Klasse) können sie kleine Kinder versorgen, Essen kochen und die meisten Arbeiten im Haushalt erledigen. Jungen können auf der Farm arbeiten, kleine Bauten errichten und das Vieh versorgen. Sie müssen noch viel lernen, aber sie können sich in Abwesenheit ihrer Eltern um die Farm kümmern. Von klein auf lernen Kinder, Geduld zu üben. Mütter halten die Hände ihrer Kinder zusammen, während der Rest der Familie vor und nach den Mahlzeiten den Kopf zum stillen Gebet neigt. Mit fünf sind sie groß genug, die Kekse abzulehnen, die die „Babys“ bekommen, damit sie während des Gottesdienstes still sind.

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Wie Huntingdon schreibt, unterscheiden die Amischen zwischen Schulbildung und Erziehung, was sich deutlich in der Aussage eines Bischofs widerspiegelt : „Mit vierzehn hat man in der Schule alles Wesentliche gelernt, aber man kann nicht bis dahin warten, um zu lernen, was man fürs Leben braucht.“4 (vgl. Johnson-Weiner, 2006) Die wichtigen Lektionen lernen die Kinder in zwischenmenschlichen Beziehungen in der Gmay.
Die Amischen studieren keine gelehrten oder religiösen Texte und diskutieren nicht über theologische Feinheiten. Sie leben ihren Glauben, und das drückt sich in allem aus, in ihrer Kleidung und Nahrung, wie sie Lampen entzünden und Wasser pumpen. Sie misstrauen allen, die die individuelle Autorität oder den Willen des Einzelnen hervorheben und beziehen ihre Identität, ihre Zugehörigkeit und ihre Ziele aus ihrer Kirchengemeinde.

Literatur über die Amischen :

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Hostetler, J. A. (ed.) 1989. Amish Roots. A Treasury of History, Wisdom, and Lore. Baltimore : Johns Hopkins University Press.

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Johnson-Weiner, K. M. 2007. Train Up a Child. Old Order Amish and Mennonite Schools. Baltimore : Johns Hopkins University Press.

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